Ihr habt die CD auf dem Gewissen!

Ihr habt die CD auf dem Gewissen
oder Generation Download

Meine Freunde der handgemachten Unterhaltungsmusik, schlechte Neuigkeiten gehen dieser Tage durchs Netz. Der große Erfinder der CD, Sony, möchte selbige jetzt abschaffen. Als Vinyl-Fan stimmt es mich sowieso schon traurig, dass manche Platten schon gar nicht mehr auf die große Langrille gepresst werden. Der Gedanke daran Musik bald nur noch als Download zu bekommen, macht mich allerdings regelrecht wütend.

Ich gebe ja ehrlich zu, das MP3s durchaus praktisch sind und ich mittlerweile fast alle meine Tonträger auch auf dem Rechner habe, aus dem ganz einfachen Grund, dass ich schnell und einfach Sampler fürs Auto erstellen kann oder ohne großen Aufwand etwas Musik hören kann während ich am Computer beschäftigt bin. Als Sammler geht es aber auch um haben oder nicht haben. Eine CD mit Booklet, oder besser ein Vinylalbum, im Schrank stehen zu haben erfüllt mich mit Stolz. Man hat etwas in der Hand, man weiß es ist da, man kann es anfassen und es jemandem zeigen. Das ganze Ritual, eine Platte auszusuchen und diese dann aufzulegen, gibt mir einfach mehr als nur eine Datei oder einen Ordner anzuklicken. Ich freue mich jedes mal, wenn ich im Laden, bei Ebay oder sonst irgendwo einen neuen Tonträgern erstanden habe und diesen dann zu den anderen ins Regal stellen oder in den Player schieben kann. Teilweise hat man sogar noch genaue Erinnerungen daran, wann und wo man die eine CD oder die andere LP gekauft hat. Das sind Momente, die mir kein Download jemals geben könnte.

Die heutige Generation kennt diese Gefühle gar nicht mehr. Früher haben wir uns gegenseitig CDs und Platten ausgeliehen und diese dann auf Kassetten überspielt. Man hat gespart um sich einen neuen Tonträger kaufen zu können oder man ist Freitags in den Laden gerannt um das neue Album von XY direkt am Start zu haben. Das war noch harte Arbeit, aber auch jede Menge Spaß. Heute wandern USB-Sticks, MP3-Player oder portable Festplatten durch die Reihen. Viele Kids kaufen sich keine Musik mehr und besitzen nicht ein Album als Original, sondern laden sich alles aus dem Netz oder vom Rechner des Freundes auf ihren iPod. Alben werden nicht mehr als Gesamtwerke gesehen (Coverartwork, Booklet, Reihenfolge der Tracks), sondern einzelne Songs bei iTunes gekauft, wenn überhaupt dafür bezahlt wird. Diese Entwicklung lässt den Wert von guter und handgemachter Musik langsam aber sicher schwinden. Ganz zu schweigen von der geringen Qualität vieler Musikdateien.

Ich kann mich an eine Unterhaltung am Tresen erinnern, wo es jemand unglaublich toll fand mehrere hundert Gigabyte Musik auf seinem Rechner zu haben. Hallo? Das sind Mengen, die man in einem Leben bald gar nicht hören kann oder zumindest hat man nicht die Zeit sich ordentlich mit den einzelnen Sachen auseinanderzusetzen. Wahrscheinlich wissen solche Leute gar nicht was da wirklich alles auf ihren Festplatten ist, wissen weder woher die Band kommt, noch was auf dem Cover ist. Es wird einfach alles kopiert und wieder weitergegeben. Musik entwickelt sich zu einem überall leicht erhältlichem Massenprodukt und der kleine Musiker schaut in die Röhre, aber dass ist noch ein ganz anderes Thema.

Ich verstehe ja in gewisser Weise, dass die großen Firmen aufgrund immer weiter zurückgehender Verkaufszahlen, lieber nur Downloads anbieten wollen, aber es wird mein Sammlerherz brechen, wenn es irgendwann tatsächlich gar keine physischen Tonträger mehr zu kaufen gibt. Der echte Musik-Fan wird dadurch einem Stück Kultur beraubt und ich denke mit der Meinung stehe ich nicht alleine da. Hoffen wir mal, dass es auch weiterhin Labels und Künstler geben wird, die uns mit Vinyl, Special Editions und netten Covern beglücken werden!

Beste Sammlergrüße
Patrick Soulseller