Interview mit The Sonics in Köln

9. Juli 2009. Nach der ausverkauften Show in New York die für mich noch größere Sensation: The Sonics spielen in Übersee. Heute in Köln. Und ich habe die Möglichkeit eine der legendärsten Bands der Musikgeschichte zu interviewen. Davon das die Band hunderte Bands beeinflusst hat, die ihrerseits mittlerweile Stadien füllen oder füllten, merkt man an der Essigfabrik nicht viel. Es ist sehr heiß und die Band wartet vor dem Eingang, weil es Probleme mit den Monitoren und für die älteren Herren nicht viel zu tun gibt. Später wird mir Larry Parypa erzählen, dass es zu seiner Zeit so etwas wie Monitore gar nicht gegeben hat und er deswegen nicht viel bei dem Soundcheck für dieselben zu gebrauchen ist. Ein bisschen hört es sich an als wären Monitore für ihn neumodischer Firlefanz, den er eigentlich nicht braucht um ordentlich zu rocken.

Und ordentlich rocken, das tun die Herren an dem Abend. 41 Jahre nachdem sie sich aufgelöst haben, weil ihre Musik anscheinend zu modern war, rocken sie als hätte es gar keine Auszeit gegeben. Von den originalen Sonics sind neben Larry Parypa nur noch das andere Gründungsmitglied Gerry Roslie übrig. Der Rest ist leider gesundheitlich zu angeschlagen um zu touren. Aber wer denkt die beiden älteren Herren könnten auf die Idee kommen sich junges Blut zur Verstärkung zu holen irrt.

Die 3 anderen Musiker sind allesamt alte Freunde. Besonders auffällig an dem Abend in Köln ist Freddie Dennis am Bass, der auch die hohen Gesangsparts bei Songs wie Psycho oder Lucille übernimmt wenn Gerry Roslie dann doch ab und zu vor dem Zahn der Zeit kapitulieren muss. Aber bevor ich in den Genuss dieses Stücks Musikgeschichte kam, nahm sich Larry noch die Zeit mir ein paar Fragen im Keller der Essigfabrik zu beantworten.

Heute ist euer dritter Gig in Deutschland, oder?

Ja, wir haben vor 2 Monaten in Berlin gespielt und Gestern in Augsburg und nun hier.

Augsburg war gut nehme ich mal an?

Ja, ziemlich gut. Es sah aus als wäre kein Platz mehr übrig gewesen. Es hat ihnen entweder sehr gut gefallen oder sie haben es sehr gut vorgetäuscht.

Sehr gut. Ausverkauft?

Ich denke es war ausverkauft. Die Leute standen Schulter an Schulter. Wir haben drei Zugaben gespielt, bis wir nicht mehr durften.

Großartig. Ihr seid nun schon seit 2007 wieder am touren?

Ja, wir haben in New York gespielt, zum ersten mal seit 42 Jahren. Wir haben uns zu Tode gefürchtet. Anschließend haben wir angefangen zu Touren. Ich glaube es war Januar (2009) als wir nach London gegangen sind. Das war die erste Location außerhalb der U.S.A,. die wir gespielt haben.

Habt ihr diese Resonanz erwartet? Ich meine jede Show war ausverkauft.

Nein. Wir wussten gar nicht was wir erwarten sollten. Wir dachten es besteht eine gute Chance, das wir  in New York spielen und die Leute uns von einem historischen Aspekt interessant finden und das wars (lacht). Aber so war es nicht. Es erzeugt mehr Interesse.

Aber das Interesse gab es doch bestimmt schon länger?

Ja, vor allem seit den 80ern hat mir dieser eine Booker immer erzählt, das wir in Europa touren könnten. Ich hab mir immer gedacht: Auf keinen Fall ist das möglich.

Denkst du das die Sonic’s jetzt ernten was sie in den 60ern gesät haben?

Ja, ich denke wir haben eine Menge unterschiedliche Trends beeinflusst. Unsere Bedeutung heutzutage ist eine historische. Wir haben versucht kraftvoll, nicht technisch zu sein. Wir waren schon gute Musiker, aber wir haben Dinge gemacht wie Schreien wenn niemand geschrien hat, sehr lautes Schlagzeug in einer Zeit in der das Schlagzeug nicht laut war und verzerrte Gitarren als niemand verzerrte Gitarren gespielt hat. Dann haben wir angefangen Songs anstatt in einer 1, 4, 5 Dur Abfolge in einer 1, 3, 4 Moll Abfolge zu spielen. Also waren wir eine der ersten Bands, die diese Dinge gemacht haben, die erst später Üblich waren. Also denke ich schon dass das die Wurzel davon war. Dieses historische Bewusstsein ist in Europa viel größer als in den Staaten. Hier schaut man wie sich die Musik entwickelt hat, deswegen spielen wir häufiger in Europa.

Ja ich denke es gibt eine Menge Bands, die sagen sie wurden von den Sonics beeinflusst und die ihrerseits schon wieder neue Bands beeinflusst haben.

Das stimmt. Sogar die Stooges zum Beispiel. Die sagen sie hätten die Sonics gehört und sie haben eine ganze Generation beeinflusst.

Hast du die Entwicklung in der Musikszene verfolgt und so eventuell auch die Einflüsse der Sonics miterlebt?

Das konnte ich nicht weil ich gar keine Musik gehört habe. Ich habe Talkradio gehört (lacht). Ich habe Bandnamen wie The Stooges gehört aber nie deren Musik. Erst in den letzten Jahren habe ich mitbekommen wer das eigentlich ist und wie sie sich anhören.

Ich habe gehört das ihr neues Sonics Material aufgenommen habt.

Das stimmt. Wir haben bis jetzt vier, neu geschriebene, Songs aufgenommen. Zwei davon spielen wir Heute Abend. Die anderen Zwei können wir noch nicht Live spielen. Aber ich denke wir werden weiter machen und mehr Material schreiben und dann ein Album herausbringen.

Wie hören sich die neuen Songs an?

Wie wir gerne hätten das sie sich anhören! Wir wollten nicht so tun als ob all diese Jahre gar nicht vergangen wären. Ich meine die Technologie hat sich verändert. Alles ist anders heutzutage. Wir haben versucht dem Sonics-Gefühl und der Energie treu zu bleiben und uns sind diese zwei Songs eingefallen. Wenn wir sie für Leute spielen dann scheinen sie sie zu mögen. Sie sagen sie klingen wie die Sonics und ich hoffe das stimmt.

Habt ihr bei den Aufnahmen viel von der neuen Technologie in Anspruch genommen oder seit ihr eher simpel an die Sachen herangegangen?

Sehr simpel. Der Produzent ist Jack Endino und er hat auch Nirvana aufgenommen. Ich habe ihm gesagt, das mit etwas sehr unkompliziertes an den Instrumenten vorschwebt. Sehr unbearbeitet: es gibt Fehler, die haben wir drinnen gelassen, er benutzt sehr wenig Kompression und Effekte. Was er mixt ist sehr ‘raw’. Also denke ich der Sound ist, wenn nicht genau der Selbe wir damals, dann der selbe Stil: Sehr simpel.

Ihr habt euch 1968 aufgelöst?

1967, ich denke es war 1967.

Seid ihr seitdem in Kontakt miteinander geblieben?

Ab und zu haben Rob und ich telefoniert. Gerry und ich haben bestimmt 10 Jahre lang nicht geredet. Also gab es so gut wie gar keinen Kontakt und wir haben nie zusammen Musik gemacht bis wir das Angebot aus New York bekommen haben.

Was kann man erwarten, wenn man euch auf der Bühne sehen wird?

Authentizität! Die alten Songs die ihr kennt und die die ihr Live auf der Bühne hören werdet sind die selben. Es hat sich nicht viel geändert, wir spielen dasselbe wie vor 40 Jahren.

Du hast gesagt, du hättest die aktuelle Musikszene nicht so sehr verfolgt, aber in New York glaube ich haben euch die Hives supportet.

Die Hives haben die Westküste der Staaten getourt als wir an der Ostküste unterwegs waren. Sie haben in, ich glaube es war, Vancouver gespielt und sind anschließend die ganze Strecke nach New York geflogen um uns spielen zu sehen und danach wieder nach Kanada zu fliegen. Wir haben uns sehr gut verstanden und in Schweden die Bühne geteilt. Nette Jungs.

Ich schätze die haben auch eine Menge Sonics gehört als sie klein waren…

Das stimmt. Sie machen genau solche ‘Riff-Songs’ wie wir sie früher auch gespielt haben.

Der Journalist Bodo Mrozek schrieb (in der Tageszeitung vom 20. März 2007) über den Auftritt in N.Y.: „Über dem historischen Moment liegt eine gewisse Tragik. Das Problem der Band war niemals ihre Musik – sondern ihr Timing. Damals, in den Sechzigern, waren die Sonics ihrer Zeit um mindestens zehn Jahre voraus. Heute, im 21. Jahrhundert, ist es für sie gut dreißig Jahre zu spät.“

Das verstehe ich nicht, was will er damit sagen?

Ich glaube das Eure Musik Heute zu alt ist?

Ja, vielleicht ist das so. Ich meine wir haben die Gegenwart beeinflusst aber wir spielen einen Sound aus der Vergangenheit. Aber wenn wir Heute Abend spielen können sich die Leute ihr eigenes Bild machen ob sich die Sonics gegenwärtig relevant anhören. Ich denke schon. Wir sind vielleicht älter, aber wir sind nicht einschläfernd oder rocken nicht mehr. So wird das nicht sein!